„Gedanken reinigen“ im kalten Wasser: Interview mit Hamza Bakircioglu


Hamza Bakircioglu (46) aus Sonthofen im Allgäu zählt neben seinem Betreuer Uli Munz, dem deutschen Meister über 500m Eisschwimmen, ganz klar zu den „harten Hunden“ des Schwimmsports. Anfang 2018 brach er den Weltrekord im Eisschwimmen – in 01:08h legte er eine Strecke von 3450m zurück. Und das bei einer Wassertemperatur von 4,1 °C. Wohlgemerkt ohne Neopren. Das klingt für Viele schon unvorstellbar. Hamza ist aber nicht nur als Eisschwimmer aktiv, sondern auch extremer Langstreckenschwimmer. Nur drei Personen konnten bisher den Bodensee der Länge nach entsprechend dem offiziellen Reglement durchqueren – und Hamza gehört zu ihnen. Er legte sagenhafte 66,7 km zurück! Wir hatten Gelegenheit, mit Hamza über seinen Sport, sein Training und seine Ziel zu plaudern.


Was war zuerst da – Eisschwimmen oder Langstreckenschwimmen? Wie sah deine sportliche Karriere bisher insgesamt aus?

Ich habe schon immer beides gleichzeitig betrieben. Diesen Sommer bin ich zwischendurch auch mal im Iller oder im Bach geschwommen. Die Wassertemperatur lag bei ca. 9 Grad.

Meine Erfolge waren bisher:


Zeitschwimmen

  • elfmal Platz eins bei diversen 24h Schwimmen

Bodenseequerungen

  • 2016 Bodenseelängsquerung über 66,7 km Jahr

  • 2016 Dreiländerquerung (Bodensee) über 33 km Jahr

  • 2016 Breitenquerung über 12 km Jahr

  • 2016 als erster Schwimmer alle drei Strecken der Bodenseequerung innerhalb einer Saison gemeistert, Platz eins im Hall of Fame der Bodensee Rekorde

  • 2018 doppelte Breitenquerung (Bodensee)

Eisschwimmen

  • Eisschwimmen German Open über 1000m Platz 6

  • Eisschwimmen German Open über 1000m Platz 8

  • Eisschwimmen Weltmeisterschaft über 1000m Platz 4 AK Wertung

  • Weltrekord doppelte Eismeile, längster Strecke und längster Zeit

  • 2018 bei den Awards der World Open Water Swimming Association (WOWSA) nominiert in der Kategorie Performance


Was hat dich zum Eisschwimmen gebracht und was fasziniert dich daran?


Bereits in der Türkei bin ich als Kind regelmäßig im Bach geschwommen. Ein Schlüsselerlebnis war dann die Vorbereitung für die Bodenseelängsquerung. Hier schwimmt man die ganze Nacht durch und die Wassertemperatur geht bis unter 17 Grad. Eisschwimmen ist ein Extremsport und jedes Mal wenn ich meine vorgenommene Zeit von ca. 25 Minuten im Eiswasser geschwommen bin, fühle ich mich psychisch sehr stark. Es ist, als würde das kalte Wasser die Gedanken reinigen.


Wie sieht dein Trainingsalltag aus?


Wie hoch ist dein täglicher Trainingsumfang?

Ich schwimme sechsmal die Woche, im Sommer bis zu 10 km im Freiwasser täglich und im Winter 1,5Km im See danach 4Km im Wonnemar Sonthofen.


Was unterscheidet die Trainingsroutinen bei einem „normalen Bahnenschwimmer“ über den (extremen) Langstreckenschwimmer bis hin zum Eisschwimmer?

Ein Bahnen-Schwimmer hat immer die gleichen Bedingungen. Keine Strömung, eine konstante Wassertemperatur, super klares Wasser. Ein Freiwasserschwimmer muss gegen die Kälte, Strömung, Wellen und viele andere Einflussfaktoren kämpfen. Ein Eisschwimmer muss 100% top fit sein und die Kälte vertragen können.


Denkst du, dass das Eisschwimmen noch Potenzial hat, eine große Anhängerschaft zu finden?

Natürlich, Eisschwimmen nimmt immer mehr an Teilnehmern zu. Aktuell sind sogar für die German Open in Veitsbronn über 20 Länder angemeldet.



Wie kann sich der interessierte Anfänger am besten näher informieren oder das Eisschwimmen auch einmal ausprobieren?


Ein Anfänger sollte in erste Linie ein EKG von seinem Hausarzt machen lassen. Am Anfang immer in Küstennähe oder am Ufer entlang mit einer Schwimmboje und einen Beobachter schwimmen. Anfänglich 5 Minuten schwimmen und täglich auf 2 Minuten steigern.


Mit welchen körperlichen Reaktionen muss man am Anfang rechnen? Wie gelingt es, nach und nach längere Strecken zurück zu legen?


An Anfang kommt der Körper in eine Stress/Panik Situation, weil er die Kälte nicht kennt. Hier muss man ruhig bleiben und kontrolliert atmen bis der Körper sich an die Bedingungen angepasst hat. Umso öfters man trainiert desto weniger werden die Reaktionen. Wenn man längere Strecken schwimmen möchte, muss auf jeden Fall ein Betreuer dabei sein. Was die Länge der Strecke im Eiswasser betrifft, muss jeder selber ausprobieren bzw. an die Grenzen gehen.


Was ist für dich persönlich die nächste große Herausforderung, der du dich stellen willst?


Mein nächstes Ziel sind die Oceans’s Seven – das sind die sieben größten Herausforderungen im Langstreckenschwimmen. Darunter der Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar.

Artikel: Sarah Schiepe

Bildquellen:

01_bodenseequerung.de

02_bodenseequerung.de & infinitychannelswimming

03_Hamza Bakircioglu

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